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Facebook spioniert Nutzer seines VPN-Dienstes aus

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CC0 Igor Ovsyannykov

Es ist eine bequeme Lösung für ein allgegenwärtiges Problem, die der Facebook-Dienst Onavo seinen Nutzern anbietet. Das mobile Datenvolumen ist durch Facebook, Spotify und Co. schnell ausgereizt. Jeden Monat weitere Datenpakete zu kaufen, kann schnell teuer werden. Doch Facebook hat Hilfe zur Hand: Mit Onavo bekommen Android-Nutzer einen besseren Überblick über ihren mobilen Datenverbrauch. Welche App verbraucht wie viel Daten? Onavo sagt es Dir, passend visualisiert mit hübschen Grafiken. Mit einem Klick kann Apps die Nutzung mobiler Daten verboten werden.

Doch Onavo kann noch mehr. Denn hinter den ganzen Visualisierungen steckt ein VPN-Dienst, der alle Datenverbindungen über die Server von Onavo laufen lässt. Damit schütze Onavo „persönliche Informationen“ und füge eine „extra Schicht Sicherheit und Verschlüsselung“ hinzu, heißt es in der App-Beschreibung im Google Play Store.

Die iOS-Version von Onavo für das iPhone und iPad von Apple soll ebenfalls die „Sicherheit“ verbessern. Der VPN-Dienst kann jedoch lediglich unverschlüsselten Datenverkehr auslesen, der beim Surfen im Browser anfällt.

Onavo spioniert Nutzer aus

Das klingt praktisch für alle mit limitiertem mobilem Datenvolumen und einem Bedürfnis nach mehr Sicherheit im Netz. Davon profitiert aber vor allem Facebook selbst, das Onavo im Jahr 2013 gekauft hat. Denn die App spioniert ihre Nutzer hemmungslos aus. Statt persönliche Daten zu schützen, wertet sie diese zu kommerziellen Zwecken aus.

Onavo speichert, analysiert und teilt mit Facebook, welche Internetdienste und Apps – im Falle von Android – seine Nutzer verwenden. Darüber informiert Onavo seine Nutzer nur versteckt. Weder auf der Informationsseite im Google Play Store noch in den Frequently Asked Questions weist das Unternehmen darauf hin. Die Angaben finden sich nur in den Datenschutzrichtlinien, die fast niemand liest. Dort heißt es (eigene Übersetzung):

Wenn du die Apps nutzt, entscheidest du dich, jede mobile Datennutzung durch oder zu Onavos Servern zu leiten. Im Resultat erhalten wir Informationen über dich, deine Online-Aktivitäten, und dein Gerät oder Browser, wenn du den Service nutzt. [..] Onavo kann deine Informationen nutzen, um zu analysieren, wie du Apps und Daten nutzt.

Laut diesen Richtlinien gibt es die Option, der Datenauswertung durch Onavo zumindest in Teilen zu widersprechen. Der angegebene Link zur Seite mit weiterführenden Informationen funktioniert jedoch nicht.

Neue Trends erkennen

Facebook nutzt diese Daten unter anderem, um Informationen über seine Konkurrenten und aufstrebenden Startups zu gewinnen, wie das Wall Street Journal (Paywall) schreibt. Demnach gibt Onavo Facebook einen tiefen Einblick in das Nutzungsverhalten von Smartphonebesitzern. So kann das US-amerikanische Unternehmen neue Trends, Livestreams etwa, schnell erkennen und in seine Dienste integrieren.

Als Facebook Onavo 2013 kaufte, war davon in den offiziellen Pressemitteilungen noch keine Rede. In Berichten stellt Facebook den Kauf der israelischen Firma als einen wichtigen Bestandteil in seiner Mission dar, mehr Menschen mit dem Internet zu verbinden. Mit Internet.org (heute Free Basics) will Facebook die verbliebenen zwei Drittel der Weltbevölkerung ohne Internetanschluss mit dem Internet verbinden. Kritiker sehen in der technischen Umsetzung unter anderem die Netzneutralität gefährdet. Onavo sollte dabei mit seinem VPN-Dienst, der Daten komprimiert, helfen. Techcrunch und Buzzfeed schrieben schon damals, dass es Facebook vor allem um Onavos Technologie zur Analyse von mobilem Datenverkehr ging.

Bei der Auswahl eines VPN-Anbieters sollten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzrichtlinie beachtet werden, um böse Überraschungen wie im Falle von Onavo zu verhindern. Weitere Hinweise gibt die Electronic Frontier Foundation auf ihrer Webseite.

Für Nutzer von Onavo empfiehlt es sich, dem Hinweis aus Onavos eigenen Datenschutzrichtlinien zu folgen:

Wenn Du nicht möchtest, dass wir irgendwelche Informationen über Dich erhalten, solltest du die Apps deinstallieren und aufhören, unsere Dienste zu nutzen.


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von Datenschutz – netzpolitik.org, gepostet am Donnerstag, 10. August 2017 um 17:55
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