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Flugreisen in die USA: Mit Befragungen ist zu rechnen

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CC-BY-SA 2.0 https://www.flickr.com/photos/bribri/2321368032/sizes/l

Wer sich auf eine Reise in die Vereinigten Staaten begeben und vielleicht auch seinen Computer mitnehmen möchte, muss sich ab Morgen auf neue Einreiseprozeduren gefasst machen. Reuters meldet, dass Reisende von Donnerstag an mehr Zeit einplanen müssen. Grund sind US-seitige „new security guidelines“, also Vorgaben der US-Regierung, die mehr Durchleuchtungen der Passagiere und ihrer elektronischen Geräte sowie mündliche Befragungen erzwingen. Sogenannte „vorgelagerten Einreisekontrollen“ an Flughäfen außerhalb der Vereinigten Staaten werden bereits seit Jahren durchgeführt, mit den neuen Vorschriften allerdings weiter verschärft.

Die US-Regierung fordert von den Fluggesellschaften, Computer und weitere elektronische Geräte im Handgepäck intensiver zu durchleuchten. In welcher Form das geschehen soll, dazu schweigen sich die US-Behörden jedoch aus. Neu eingeführt werden auch zusätzliche „pre-screening interviews“, also verpflichtende Gespräche vor Flugantritt. Damit soll angeblich das erneute Verbot des Mitführens von tragbaren Computern in den Kabinen abgewendet werden.

Angaben der Lufthansa zu den Änderungen ab Donnerstag

Wir haben die Lufthansa dazu befragt, mit welchen Maßnahmen ab Morgen auf dem Flughafen zu rechnen sei, wenn ein Computer in die Kabine mitgenommen werden soll. Dazu konnte sich ein Sprecher jedoch nicht näher äußern, er verweist für sicherheitsrelevante Informationen lediglich an die US-Behörden, insbesondere die TSA, die Transportation Security Administration. Derzeit sind dort jedoch noch keine schriftlichen Informationen verfügbar.

Die Lufthansa rät prinzipiell allen Kunden, rechtzeitig am Flughafen zu sein. Man könne aber weiterhin Computer in der Kabine mitnehmen.

flughafen frankfurt
Blick in den Flughafen Frankfurt am Main. Foto: Yasunari Goto, CC BY-NC-ND 2.0.

Gegenüber netzpolitik.org gibt die Lufthansa an, dass man nicht mit langen und zeitaufwendigen Interviews rechne, sondern sich eher auf einige wenige Fragen einstelle. Bemerken die Fragesteller dann nicht näher bezeichnete Auffälligkeiten, wird die betreffende Person an die US-Behörden gemeldet. Details kann die Lufthansa „aus Sicherheitsgründen“ aber nicht nennen. Es handele sich um Vorgaben der US-Behörden.

Dass es allerdings künftig solche „Kurzinterviews“ geben wird, bestätigt die Lufthansa gegenüber netzpolitik.org, ob es aber jeden einzelnen Fluggast betreffen wird, sei noch nicht absehbar. Neben der Lufthansa haben auch Air France, Cathay Pacific, EgyptAir und Emirates bestätigt, ab Morgen die Interviews einzuführen.

Wohin die Angaben aus den Interviews transferiert werden, bleibt unklar. Wer sich das zutraut, kann das Experiment wagen, einfach danach zu fragen. Doch gerade Flughäfen sind für die meisten Menschen nicht gerade der Ort, auf den Schutz der eigenen Daten zu pochen. Schließlich möchte man vermutlich gern zu einer US-Reise aufbrechen und nicht am Boden bleiben, wenn man keine oder nur die Antwort erhält, dass man die US-Behörden dafür konsultieren sollte.

Die auf tagesschau.de gemeldeten neunzig Minuten, die man nun zusätzlich einplanen müsse, seien aber so nicht zutreffend, gibt die Lufthansa gegenüber netzpolitik.org zu verstehen. Diese Angabe gelte ausschließlich für den Flughafen in Genf. tagesschau.de hat den Artikel nun korrigiert, was die Angabe der neunzig Minuten angeht.

Für die sonstigen Flughäfen sollen die bereits im Juli geänderten Anpassungen weiterhin gelten. Beispielsweise sei bei den großen Drehkreuzen der Lufthansa in Frankfurt am Main, Zürich oder München nicht mit einer Verlängerung der Eincheck-Zeiten zu rechnen, da sie seit dem Sommer ohnehin schon auf vierzig Minuten für Business- und Erster-Klasse-Kunden sowie auf sechzig Minuten bei Economy-Passagieren erhöht worden seien. So ist es auch bei der Lufthansa-Tochter Swiss online verzeichnet. Es handele sich also nicht um eine zeitliche Änderung – mit Ausnahme von Genf.

Was die Reisen in die Vereinigten Staaten angeht, ist allerdings die Zeit, die man vor Abreise auf dem Flughafen einplanen muss, generell länger als für andere Kontinente und Staaten. Grund sind die ohnehin umfänglichen Kontrollen, die von US-Seite vorgeschrieben werden.

Bevor man eine Flugreise in die Vereinigten Staaten antreten kann, müssen heute schon die eigenen Daten vorab transferiert werden. In welchen Datenbanken diese Angaben landen, wer darauf Zugriff hat und wie lange die Informationen gespeichert werden, ist für Reisende nicht erkennbar. Zudem erfolgt unmittelbar nach der Einreise auf US-Boden eine erkennungsdienstliche Behandlung, bei der alle zehn Fingerabdrücke abgegeben werden müssen sowie ein biometrisches Gesichtsbild erstellt wird.


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von Datenschutz – netzpolitik.org, gepostet am Mittwoch, 25. Oktober 2017 um 18:19
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