calendar
« Sep12345678910111213141516171819202122232425262728293031 Nov »

Apple-Chef Tim Cook fordert eine Datenschutzgrundverordnung für die USA

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Tim CookApple-Chef Tim Cook im Jahr 2012 CC-BY 2.0 Mike Deerkoski

Apple-Chef Tim Cook hat bei einer Rede vor Datenschützern in Brüssel ein US-amerikanisches Datenschutzgesetz nach Vorbild der europäischen Datenschutz-Grundverordnung gefordert. „Wir bei Apple unterstützen ein Bundesgesetz für Privatsphäre in den Vereinigten Staaten“, sagte Cook bei der Konferenz der europäischen Datenschutzbehörden (ICDPPC). In seiner Ansprache betonte Cook das Bekenntnis seiner Firma zum Schutz der Privatsphäre ihrer Nutzer – und teilte Seitenhiebe gegen Mitbewerber wie Google und Facebook aus.

Cook warnte in Brüssel vor einem entstehenden „Daten-industriellen Komplex“. Damit stellte er einen direkten Verweis zum „militärisch-industriellen Komplex“ aus Rüstungsindustrie und Regierungsbehörden her, der in den USA seit Jahrzehnten für Militarismus und Aufrüstung verantwortlich gemacht wird. „Daten werden mit militärischer Effizienz gegen uns als Waffen eingesetzt“, sagte Cook in Brüssel.

„Privatsphäre und KI sind kein Gegensatz“

Der Apple-Chef schoss sich in seiner Rede auf das Geschäftsmodell der Datenfirmen ein. „Zahllose Entscheidungen werden heute auf Basis unserer Vorlieben und Abneigungen gemacht, unserer Hoffnungen und Träume“, sagte Cook. Mit der Datensammlung würden dauerhafte Profile von Nutzern erzeugt und die verantwortlichen Firmen „kennen dich besser als du dich selbst“. Dabei drohe jedoch wachsende politische Polarisierung, denn aus harmlosen Vorlieben würden rasch verhärtete Überzeugungen. „Wir lesen jeden Tag Bericht über den tödlichen Effekt solcher enger Weltsichten“, sagte Cook. Schuld sei der Datenhandel. „Das ist Überwachung. Das sollte uns sehr unangenehm sein. Es sollte uns verstören.“

In Brüssel beschwor Cook die „geteilten Interessen“ seiner Firma mit den EU-Datenschützern. „Wir hoffen, mit ihnen als Partner zu arbeiten“, erklärte der Apple-Chef. Technologie könne heute bei allen großen Fragen helfen, vom Kampf gegen Krankheiten bis zu Verhinderung des Klimawandels. Dafür sei aber Respekt für die Würde und Privatsphäre der Nutzer nötig, auch bei der Entwicklung von auf großen Datenmengen basierender Künstlicher Intelligenz. „Damit Künstliche Intelligenz wirklich intelligent wird, muss sie menschliche Werte respektieren“, sagte Cook. Privatsphäre und KI seien keine Gegensätze.

Tatsächlich grenzt sich Apple in Privacy-Fragen schon seit Jahren von seiner Konkurrenz ab. Der als wertvollstes Unternehmen der Welt geltende Technologiekonzern verdient einen großen Teil seiner Einnahmen mit hochpreisiger Hardware wie Laptops und dem iPhone und betont dabei seinen Einsatz für die Privatsphäre der Nutzer. Konkurrenten wie Google und Facebook verdienen ihr Geld vor allem mit Werbung und sammeln dafür im großen Stil Nutzerdaten.

Mit seiner verschärften Rhetorik und dem offensiven Werben für neue Datenschutz-Maßnahmen sammelt Tim Cook in Brüssel dringend nötige Unterstützung, denn seine Firma war zuletzt wegen großangelegter Steuervermeidung unter Beschuss. Derzeit diskutieren die EU-Staaten Vorschläge zur Einführung einer Digitalsteuer, diese wird jedoch von einigen Staaten und mit Unterstützung der Tech-Lobby blockiert. Apple nutzt seinen Einsatz für den Datenschutz durchaus geschickt, um von seinen Steuer-Taktiken und anderen Kritikpunkten abzulenken.


Hilf mit! Mit Deiner finanziellen Hilfe unterstützt Du unabhängigen Journalismus.

von Datenschutz – netzpolitik.org, gepostet am Mittwoch, 24. Oktober 2018 um 11:23
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: