calendar
« Okt123456789101112131415161718192021222324252627282930 Dez »

Whistleblower kritisiert Facebook in Cambridge-Analytica-Skandal: „Sie attackieren, attackieren, attackieren“

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Christopher Wylie im EU-ParlamentDer Whistleblower im Fall Cambridge Analytica: Christopher Wylie im EU-Parlament Alle Rechte vorbehalten European Union

Der wichtigste Hinweisgeber im Fall Cambridge Analytica, Christopher Wylie, kritisiert Facebook für seine Intransparenz bei der Aufarbeitung des Datenskandals. Im Gespräch mit netzpolitik.org am Montag in Brüssel sagte Wylie, der Konzern wehre sich nach Monaten öffentlicher Empörung noch immer gegen die Aufklärung über missbräuchliche Verwendung von Nutzerdaten.

Regierungen und Parlamente in Europa ringen auch Monate nach den Enthüllungen Wylies um Aufklärung im Cambridge-Analytica-Skandal. Der Facebook-Topmanager Richard Allen stellt sich heute in London Fragen von Abgeordneten zum Datenskandal. Zuvor wurde bekannt, dass das britische Parlament zahlreiche geheime Dokumente des Konzerns aus einem Gerichtsprozess in Kalifornien in London beschlagnahmen ließ. Die Abgeordneten möchten dadurch endlich Antworten auf offene Fragen erhalten – etwa darüber, wie lange Facebook von möglicherweise missbräuchlicher Verwendung von Nutzerdaten in Wahlenkämpfen wusste.

Whistleblower Wylie äußerte im Gespräch harte Kritik an Facebook:

Facebook und Mark Zuckerberg haben fortlaufend die Zusammenarbeit verweigert, nicht nur mit der britischen Untersuchung, sondern auch mit Untersuchungen in sieben anderen nationalen Parlamenten. Und es ist diese andauernde Verweigerung, Fragen zu beantworten oder Beweismittel auszuhändigen, die Damian Collins und seinen Ausschuss dazu gedrängt haben, die Beweismittel unter Haftandrohungen mit Zwang zu bekommen. Das zeigt einfach: Es wäre viel einfacher gewesen, wenn Mark Zuckerberg tatsächlich aufgetaucht wäre und Fragen beantwortet hätte.

Der britische Guardian hatte im März auf Basis von Dokumenten des ehemalige Cambridge-Analytica-Mitarbeiters Wylie über den Abfluss von Nutzerdaten aus zumindest 87 Millionen Facebook-Profilen berichtet. Cambridge Analytica nutzte die Profildaten für gezielte Werbung („Microtargeting“) vor dem Brexit-Referendum und der US-Wahl 2016. Der Fall wird seither in mehreren Staaten untersucht und aufgearbeitet.

„Sie attackieren, attackieren, attackieren“

Social-Media-Plattformen müssten nun umfassende Änderungen vornehmen, um Wahlbeeinflussung und Desinformation zu verhindern, sagte Wylie:

Was wir bisher gesehen haben, vor allem von Facebook, ist eine Weigerung statt Handeln. Statt das Problem zu lösen, nutzen sie ihre ganze Zeit dazu, PR-Firmen zu engagieren und Fake News über George Soros zu streuen. Weißt du, sie attackieren, attackieren, attackieren, statt das Problem zu lösen.

Der Whistleblower nahm auch die mangelhafte Aufarbeitung der Einflusskampagne rund um den britischen EU-Austritt ins Visier.
Ich denke, das ist eine wirkliche Schande, denn Brexit ist klar das Produkt eines Wahlbetrugs. Die größte Verletzung der Regeln für Kampagnenspenden in der Geschichte britischer Wahlen geschah bei Vote Leave [einer Kampagnengruppe, Anm.]. 40 Prozent ihrer Kampagnenausgaben gingen an Cambridge Analytica, die erwiesenermaßen Wahlgesetze und Datenschutzgesetze verletzt haben. […] Das sind keine Vorwürfe, das sind Fakten. Und doch sitzen wir noch hier in diesem ganzen Brexit-Chaos. Obwohl das auf der Basis von Betrug geschah. Das Perverse daran ist, wenn so etwas in einer anderen Situation passiert wäre – etwa bei den Olympischen Spielen – dann hätte der Athlet, der gedopt war, seine Medaille verloren.

Das ganze Gespräch lässt sich hier anhören:


Wylie sprach am Montag in Brüssel bei einem Kongress vor Vertretern von EU-Einrichtungen, NGOs und Firmenvertretern. Dort erinnerte er an die Tragweite des Datenskandals um Facebook. „Cambridge Analytica war nur der Kanarienvogel in der Kohlenmine“, sagte der Whistleblower. Der Fall zeige, dass Information in eine Massenvernichtungswaffe verwandelt werden kann. „Und jetzt haben wir Brexit und Donald Trump.“


Hilf mit! Mit Deiner finanziellen Hilfe unterstützt Du unabhängigen Journalismus.

von Datenschutz – netzpolitik.org, gepostet am Dienstag, 27. November 2018 um 8:15
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: